Geschichte des Gasthauses „Zur Sonne“ 

Das Gasthaus "Zur Sonne" ist nicht nur topographisch der Mittelpunkt des Dilsbergs. In diesem Haus trafen sich früher die Bürger bei Vereinstreffen und Unterhaltung. Singstunden wurden dort neben Theaterproben und -Aufführungen ebenso abgehalten. Für sämtliche Ortsvereine war die "Sonne" wie ein zweites Zuhause. Als 1840 die katholische Schule von Grund auf erneuert wurde, stellte das Gasthaus "Zur Sonne" für die Summe von 20 Gulden sämtliche Räume für die Dauer von 20 Wochen zum täglichen Unterricht der katholischen Dorfjugend zur Verfügung. Zwar ist das alles nun Geschichte und gehört die Vergangenheit an, doch eines ist geblieben, die Räumlichkeiten laden nach wie vor die Gäste zum gemütlichen Verweilen ein.
 

1601 Eingemauerte Jahreszahl 1601 an der Giebelseite: Bis jetzt noch kein Beleg einer Wirtschaft in dieser Zeit gefunden. Aus Unterlagen im Dilsberger Archiv geht hervor, dass das Haus „Zur Sonne“ in früheren Jahrhunderten stets als Wohnung eines „Metzgers“ genutzt wurde.
  Ende des 18 Jh. Straußwirtschaft (= Ausschank von Bier und Wein) 
   
1781: Verkauf des Hauses an der Neckargemünder Metzgermeister Johann Bernhard Krauss (dieser ist der Sohn des Neckargemünder „Ochsenwirts“)
Das Haus wird 1802 zweistöckig ausgebaut (hier wird am 8. 4. 1802 Peter Krauss geboren, der spätere Dilsberger Heimatdichter)
  Johann Bernhard stirbt in Dilsberg am 21. Oktober 1810.
   
1823: (18. November) Die Geschwister Krauss verkaufen ihren Erbteil an den Bruder Johann Dietrich. Dieser ist Metzgermeister, Bürger, Gemeinderechner, Wirt für die Summe von insgesamt 3150 Gulden.
   
1841:      Brandversicherungskataster 1841: Das Gasthaus, Eigentümer Dietrich Krauss, ist ein „zweistöckiges Wohnhaus mit einem gewölbten Keller; der untere Stock ist von Stein und der obere von Holz. Zu dem Eigentum gehört noch ein Nebenbau von Stein und Holz, ebenso eine abgesonderte Scheuer mit Stallungen ganz von Stein“
Übrigens, Dietrich Kraus war in 1840/41 der kapitalkräftigste Mann in Dilsberg! Er stand an erster Stelle in der Steuerliste.
   
1843 (4. Mai) Verkauf des Hauses an Metzgermeister Johann Philipp Brox, des „Adlerwirts (= späteres Gasthaus Zur Burg) Schwiegersohn für 2605 Gulden, samt Scheune und Stallung. Am 9. August bekommt Johann Philipp eine Konzession, bzw. das Gastwirtschaftsrecht zugesprochen. Er stirbt in 1848. Seine Witwe und Sohn führen die Gastwirtschaft weiter. In der Badischen Revolution wird das Haus ständig belegt.
   

1859

Der Sohn Joseph Brox übernimmt die Wirtschaft
   

1881

 

Übernahme durch den Sohn Konrad in Folge. Konrad stirbt 1898. Seine Witwe verpachtet nun die Wirtschaft an die Brauerei Wisswesser (Neckarhäuser Hof) bis 1904. In dieser Zeit befand sich die Wirtschaft in Afterpacht an Metzgermeister Ludwig Zapf.
   

1904

Ludwig Zapf baut die Wirtschaft „Zur Schönen Aussicht“ und nun übernimmt Witwe Brox wiederum ihre eigene Wirtschaft, zusammen mit ihren Sohn Philipp Heinrich
   

1906

 Sie überlässt den Sohn Philipp Heinrich Brox (Metzger) ihre Wirtschaft.
   

1911

Zwangsversteigerung der Wirtschaft. Neuer Eigentümer wird Jakob Lanzer.
   

1921

Die Tochter Luise (verh. mit Wilhelm Brenneisen) übernimmt die Wirtschaft.
   

1926

Verkauf an Heinrich Werner (Rainbach). Umbau der Wirtschaft.
   

1952

Verpachtung durch Familie Werner an den Metzgermeister Metzger aus Rettigheim
   

1954

Verkauf der Wirtschaft „Zur Sonne“ an Metzgermeister Metzger.
   

1985

Übernahme der Wirtschaft durch dessen Söhne Günter (Kaufmann) und Klaus (Koch) Metzger.
   
Das Gasthaus „Zur Sonne“ ist das Geburtshaus des Dilsberger Heimatdichters Peter Krauss. Nach einer entbehrungsreichen Jugend verlässt Peter die Heimat und geht auf Wanderschaft. Zurückgekehrt findet er eine Arbeit in der Seifensiederei von Johann Kreuzberg in Mannheim. Er heiratet später dessen Tochter Marie Sophie. Er bringt es zum Wohlstand und verfasst verschiedene Gedichtbände (sein erster Gedichtband Dichtungen, erscheint 1856 in Mannheim) und mehrere Dramen. Er stirbt in Mannheim am 27. April 1878.
Der Mannheimer Volksmund reimte über ihn:
 
„Des Morgens macht er Seif und Lichter,
  des Nachmittags sodann Gedichter!“                       
Zusammenstellung: Frans Hermans